Zum Inhalt springen

Retouren richtig in die Bestandsplanung einbeziehen

Jannik SemmelhaackCEO & Founder, VOIDS

Retouren sind ein getrennter Planungsstrom

Retouren müssen in der Bestandsplanung als potenzieller Rückfluss berücksichtigt werden, zählen jedoch nicht automatisch als verfügbarer Bestand. Plane sie getrennt von Absatz und regulärem Wareneingang, bis Sichtung, Prüfung und eine mögliche Wiederaufbereitung abgeschlossen sind. Erst dann kann die zurückgesandte Ware in eine konkrete Bestandsentscheidung einfließen. So behandelst du Rücksendungen nicht wie bestätigte Verfügbarkeit, sondern als noch zu klärende Menge.

Bestandsplanung entscheidet, wann und in welcher Menge eine SKU nachbestellt wird. Absatz, Wiederbeschaffungszeit und Lagerkosten gehören zu ihren Grundlagen. Diese Grundlagen der Bestandsplanung helfen dir, Retouren nicht mit Absatz oder regulärem Wareneingang gleichzusetzen.

Bei einer einzelnen SKU senkt ein Verkauf die verfügbare Menge. Eine angekündigte Rücksendung bleibt zunächst eine Erwartung; eine eingetroffene Sendung zeigt nur, dass Ware zurückgekommen ist. Nach Sichtung und Prüfung kann ihr weiterer Umgang festgelegt werden, etwa eine Aufbereitung für den Wiederverkauf. Für die Nachbestellung bleibt damit erkennbar, welche Mengen bestätigt und welche noch offen sind.

Retourenmanagement setzt nicht erst beim Rücktransport an: Präventive Maßnahmen sollen vermeidbare Rücksendungen verringern. Präventives Retourenmanagement ergänzt damit die Bearbeitung eingehender Ware. Für die Disposition bleibt eine mögliche Rückkehr eine Unsicherheit, nicht dieselbe Information wie ein regulärer Wareneingang.

Definition für die Disposition

Retourenbestand bezeichnet zurückgesandte Ware, deren weiterer Umgang noch zu klären ist. Absatzforecast beschreibt erwartete Nachfrage, regulärer Wareneingang die erwartete Beschaffung. Diese drei Informationen beantworten unterschiedliche Planungsfragen und sollten nicht unmarkiert zusammengeführt werden.

Warum Retouren deine Bestandsentscheidung verzerren können

Eine Retoure kann die Bestandsentscheidung verzerren, wenn ihr Eingang mit verkaufsfähiger Menge gleichgesetzt wird. Zurückgesandte Produkte müssen gesichtet, geprüft und gegebenenfalls für den Verkauf aufbereitet werden. Solange dieser Umgang offen ist, bleibt auch offen, ob und wann die Ware für eine SKU verfügbar sein kann. Behandle diesen Status deshalb nicht wie eine bestätigte Beschaffung.

Rücksendungen verursachen Bearbeitungsaufwand und Kosten. Die EHI-Erhebung berichtet von Retourenquoten von bis zu 75 Prozent; 75 Prozent der befragten Onlinehändler übernehmen die Rücksendekosten grundsätzlich. Aufwand und Kosten bei Retouren zeigen, warum Rückläufer mehr sind als eine bloße Bestandszahl. Die Angaben sind jedoch keine Planungsquote für deine Marke oder deine SKUs.

Der Status einer Retoure ist von einem Liefertermin zu unterscheiden. Lieferantenrisiken betreffen mögliche Abweichungen bei Lieferzeit, Menge, Qualität oder Verfügbarkeit je SKU, Lieferant und Beschaffungsweg. Lieferantenrisiken in der Bestandsplanung bleiben daher eine eigene Unsicherheit. Eine erwartete Rücksendung liefert keinen Beleg dafür, dass ein unsicherer Wareneingang ausgeglichen wird.

Führe Rückläufer als eigenen Vorgang und halte ihren Bearbeitungsstand neben den übrigen Planungsinformationen sichtbar. Retourenkosten als dauerhaftes Thema im Onlinehandel unterstreichen die wirtschaftliche Relevanz, sagen aber nichts über die konkrete Verfügbarkeit einer einzelnen Retoure aus.

Entscheidungskriterien je Warenstrom

WarenstromEntscheidungsgrundsatzBeobachtbarer StatusEinordnung für die Entscheidung
AbsatzprognoseVerwende die erwartete Nachfrage je SKU für die Bestellmenge; die tatsächliche Nachfrage bleibt unsicher.Erwartete Nachfrage je SKUDient als Annahme für die Bestellmenge.
Regulärer WareneingangBerücksichtige die geplante Lieferung; Unsicherheiten bei Lieferzeit, Menge, Qualität und Verfügbarkeit bleiben getrennt.Geplante Lieferung mit möglichem LieferantenrisikoLieferzeit, Menge, Qualität und Verfügbarkeit sind getrennt zu bewerten.
Eingetroffene RetoureNutze den physischen Eingang als Standortinformation; die Verkaufsfähigkeit bleibt bis zur Sichtung und Prüfung offen.Ware ist am Standort; Sichtung und Prüfung können noch offen seinDer physische Eingang allein beantwortet die Verfügbarkeitsfrage nicht.
Bearbeitete RetoureBerücksichtige die Retoure anhand ihres festgelegten Status; ob sie für die SKU verfügbar ist, muss daraus hervorgehen.Sichtung, Prüfung und gegebenenfalls Aufbereitung sind erfolgtPrüfe für die konkrete SKU, ob diese Information in die Bestandsentscheidung einfließen kann.

Die Tabelle ersetzt keine Entscheidung über die Verkaufsfähigkeit einer einzelnen Ware. Sie verhindert aber, dass Nachfrageannahmen, Lieferunsicherheit und Rückläuferstatus als dieselbe Art von Menge gelesen werden.

Wie führst du Retouren durch einen Planungsablauf?

Ein statusbasierter Ablauf trennt Rücksendeankündigung, physischen Eingang und die Bearbeitung der Ware. Für die Bestandsplanung bleibt damit sichtbar, ob eine Retoure nur erwartet wird, vorliegt oder bereits bearbeitet wurde. Diese Trennung schafft keine sichere Rückflussprognose, verhindert aber, dass ein offener Bearbeitungsstand unbemerkt wie verfügbare Menge behandelt wird.

Halte die Schritte nachvollziehbar. Retournierte Produkte müssen gesichtet, geprüft und gegebenenfalls wieder für den Verkauf aufbereitet werden. Der dokumentierte Bearbeitungsaufwand bei Retouren spricht dafür, den Bearbeitungsstand vor einer Planungsentscheidung sichtbar zu machen.

So kann der Ablauf in vier Schritten aussehen

  1. Rücksendung erfassen und zuordnen: Halte fest, ob eine Retoure angekündigt oder eingetroffen ist, und ordne sie der SKU oder Variante zu. Die Zuordnung beantwortet noch nicht die Frage nach ihrer Verkaufsfähigkeit.
  2. Ware sichten: Dokumentiere den physischen Eingang getrennt von einer möglichen Verkaufsentscheidung.
  3. Zustand prüfen: Prüfe die Ware nach deinem Verfahren und entscheide, ob eine Aufbereitung für den Wiederverkauf erforderlich ist.
  4. Weiteren Umgang festlegen: Halte fest, ob die Ware für den Wiederverkauf aufbereitet wird oder außerhalb der verfügbaren Menge bleibt. Erst dann kannst du prüfen, ob sie eine kurzfristige Bestandsentscheidung beeinflusst.

Beispiel: Eine stark nachgefragte Variante nähert sich dem Meldebestand, während eine Rücksendung eintrifft. Der Eingang zeigt, dass Ware zurück ist, nicht ob sie sofort nutzbar ist. Nach Sichtung und Prüfung kannst du den festgelegten Umgang neben der geplanten Beschaffung bewerten. Bleibt der Status offen, bleibt auch die Rücksendung eine offene Information.

Der Ablauf verlangt keine besondere Systemlogik. Einkauf und Operations müssen denselben Bearbeitungsstand sehen, und eine Rücksendung darf nicht schon bei ihrer Anmeldung als gesicherte Menge gelesen werden.

Welche Daten brauchst du für Retouren in der Bestandsplanung?

Für Retouren in der Bestandsplanung brauchst du je SKU einen nachvollziehbaren Rücksendestatus, eine eindeutige Zuordnung zur Variante und die Trennung zwischen offenem Rücklauf und freigegebener Ware. Ergänze diese Informationen um Absatz, reguläre Zugänge und Beschaffungsrisiken. Erst diese getrennten Datenfelder ermöglichen eine Nachbestellentscheidung, die begründet statt geschätzt ist.

Der Datensatz muss nicht mit einer langen Kennzahlenliste beginnen. Wichtig ist, dass jede Retoure einer SKU oder Variante zugeordnet werden kann und dass ihr Status eindeutig ist. Ohne Zuordnung entsteht eine Sammelmenge, die weder dem Absatzforecast noch dem verfügbaren Bestand sauber zugerechnet werden kann.

Kriterien für einen nutzbaren Retourendatensatz

  • SKU und Variante: Welche konkrete Ware ist betroffen?
  • Rücksendestatus: angekündigt, eingetroffen, in Prüfung oder abschließend entschieden.
  • Prüfergebnis: Kann die Ware nach deinem festgelegten Standard wieder verkauft werden?
  • Planungsstatus: Ist die Menge für eine Bestandsentscheidung freigegeben oder bewusst ausgeschlossen?
  • Bezug zur Bestellung: Welche offene Beschaffung und welcher erwartete Absatz stehen der SKU gegenüber?

Absatz, Wiederbeschaffungszeit und Lagerkosten gehören zu den Grundlagen für Meldebestand, Sicherheitsbestand und Bestellmenge. Zum Nachlesen: Bestandsplanung. Retourendaten ergänzen diese Rechnung, sie ersetzen sie nicht.

Die Beschaffungsseite braucht einen eigenen Blick. Lieferzeit, Menge, Qualität und Verfügbarkeit können je SKU, Lieferant und Bestellweg abweichen. Mehr zum Thema: Lieferantenrisiken. Eine Variante mit knapper Reichweite und unsicherem Liefertermin wird nicht sicherer, weil eine ungeprüfte Retoure im Lager angekündigt ist.

Meine operative Regel für den Start lautet: Ich sehe vor jeder kritischen Nachbestellung zuerst auf die Statusliste je SKU und erst danach auf Detailauswertungen nach Gründen oder Zeiträumen. Die Statusliste beantwortet unmittelbar, welche Rückläufer nur angekündigt sind, geprüft werden oder bereits freigegeben wurden. So verhindere ich, dass ich ungeprüfte oder einer Variante nicht eindeutig zugeordnete Retouren wie verfügbaren Bestand behandle und eine kritische Nachbestellung auf einer falschen Menge aufbaue. Detailauswertungen nutze ich erst, wenn diese Statuslogik verlässlich gepflegt ist.

Drei Situationen, in denen Retouren deine Planung verändern

Retouren können erst dann in eine Bestandsentscheidung einfließen, wenn ihr beobachtbarer Zustand und ihr Status geklärt sind. Diese drei Fälle zeigen, welche Annahme jeweils unzulässig wäre.

Beispiel 1: Falsche Farbe beim Auspacken

Eine Kundin meldet nach dem Auspacken eine falsche Farbe und kündigt die Rücksendung an. Eine falsche Farbbestellung ist ein möglicher Retourengrund. Präventives Retourenmanagement setzt bereits vor der Rücksendung an. Für die Retoure liegt noch keine Statusentscheidung zum Wiedereingang oder Wiederverkauf vor. Es wäre unzulässig, die angekündigte Ware als verfügbaren Bestand anzunehmen.

Beispiel 2: Ware trifft beschädigt ein

Die Rücksendung ist im Lager eingetroffen; an der Ware ist ein Schaden sichtbar. Die Entscheidung über ihre weitere Verwendung ist noch nicht getroffen. Es wäre unzulässig, den physischen Eingang als wieder verkaufsfähigen Bestand zu behandeln.

Beispiel 3: Wiederverkaufsstatus ist offen

Eine Retoure liegt zur Sichtung und Prüfung vor, ihr Wiederverkaufsstatus ist offen. Retournierte Waren müssen gesichtet, geprüft und gegebenenfalls für den Verkauf aufbereitet werden. Der EHI-Beitrag beschreibt diesen Aufwand. Solange keine Statusentscheidung vorliegt, wäre es unzulässig, die Retoure als planbaren Zugang anzunehmen.

Für die Planung zählt damit nicht die Erwartung einer Rückkehr, sondern der dokumentierte Zustand und die getroffene Statusentscheidung. Mit dem Oos Checker kannst du die Verfügbarkeit prüfen und SKU-Situationen erkennen, in denen offene Retouren eine Beschaffungsentscheidung verdecken könnten.

Was Retourenplanung nicht leisten kann

Retourenplanung macht Nachfrage nicht vorhersagbar und beseitigt keine Unsicherheit in der Beschaffung. Sie hilft nur dabei, den Bearbeitungsstand zurückgesandter Ware von Absatzannahmen und geplantem Wareneingang zu trennen. Wo der Status einer Retoure offen ist, bleibt auch ihre mögliche Bedeutung für die Bestandsentscheidung offen.

Ein physischer Rücklauf kann nach Eingang noch Sichtung, Prüfung oder Aufbereitung erfordern. Lieferantenrisiken bleiben davon unabhängig: Sie betreffen Lieferzeit, Menge, Qualität oder Verfügbarkeit je SKU, Lieferant und Beschaffungsweg. Aktuelle Lieferdaten, priorisierte kritische Artikel und vorbereitete Maßnahmen sind dafür eigenständige Ansatzpunkte.

Zählt jede Retoure als Bestand?

Nein. Eine Rücksendung zeigt zunächst nur, dass Ware angekündigt oder eingetroffen ist. Ob sie für eine SKU als verfügbare Menge relevant sein kann, lässt sich erst nach Sichtung, Prüfung und der Entscheidung über den weiteren Umgang beurteilen.

Wann kann eine Retoure eine Nachbestellung beeinflussen?

Berücksichtige dafür nicht nur den Eingang, sondern den dokumentierten Bearbeitungsstand. Wenn offen ist, ob die Ware geprüft oder für den Verkauf aufbereitet werden muss, bleibt ihre Auswirkung auf die Bestandsentscheidung unsicher.

Ersetzt Retourenplanung den Absatzforecast?

Nein. Bestandsplanung nutzt Absatz, Wiederbeschaffungszeit und Lagerkosten, um über Zeitpunkt und Menge einer Nachbestellung zu entscheiden. Retoureninformationen ergänzen diese Entscheidung nur als eigener Rückfluss.

Ersetzt sie Sicherheitsbestand oder Lieferantensteuerung?

Nein. Sicherheitsbestand gehört zu den Kernwerten der Bestandsplanung. Lieferantenrisiken betreffen zudem eigene Abweichungen bei Lieferzeit, Menge, Qualität und Verfügbarkeit; eine erwartete Retoure beantwortet diese Risiken nicht.

Was ist ein sinnvoller erster Prozessschritt?

Trenne angekündigte und eingetroffene Rücksendungen von Absatzprognose und regulärem Wareneingang. Halte anschließend sichtbar, ob die Ware gesichtet, geprüft oder für den Wiederverkauf aufbereitet wurde.

Warum reicht der physische Eingang nicht aus?

Der Eingang bestätigt den Rücklauf der Ware, nicht ihren weiteren Umgang. Die erforderliche Sichtung, Prüfung und mögliche Aufbereitung können noch ausstehen.

“HYROX skaliert mit VOIDS Merchandising auf 9-stellig: online und offline, in Europa, den USA und dem Rest der Welt. 2.000 SKUs, spezialisiertes Event-Demand-Forecasting, Transfer-Logiken und globale Reorder-Mengen für Puma und andere Lieferanten.”

Jochen MollerCCO, HYROX

Kundengeschichte lesen
HYROX Kundengeschichte
HYROXVOIDS Kunde